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1858-1877
Pompeo verbringt seine Kindheit in seiner Geburtsstadt
mit seiner älteren Schwester Anna (1856-1937).
Nach dem Besuch des Gymnasiums wird er vom Vater
in eine Banklaufbahn gedrängt und beginnt
bei der Banca Cavagliani e e Oneto in Mailand
zu arbeiten. Hier lernt er Aldo Noseda kennen,
der ihn in die kulturellen und künstlerischen
Kreise seiner Zeit einführt, wo er Arrigo
Boito , Gaetano Braga und Luigi Gualdo, Besucher
des Cova und der Scala sowie die Maler Luigi Conconi
und Vespasiano Bignami kennenlernt.
In dieser Zeit interessiert er sich für Musik
und zeichnet in seiner Freizeit Karrikaturen,
bei denen er einen scharfsinnigen Verstand an
den Tag legt. Eine Skizze, die den Bankdirektor
darstellt, führt dazu, dass er seine Stelle
verliert und aus diesem Grund nach Monza zurückkehren
muss (1878).
1878
1878 ist er erneut in Mailand. Dank seines Freundes
Uberto Dell’ Orto lernt er den Maler Eleuterio
Pagliano kennen und, von der Malerei angezogen,
wird von ihm unterrichtet. Er bittet ihn jedoch,
dies nicht seine Familie wissen zu lassen, bis
er weiß, ob er genügend Talent besitze.
Pagliano fordert ihn auf, im Freien zu malen und
lässt ihn dann das im Atelier nachbauen,
was er zuvor gesehen hatte.
Anscheinend erfährt in der Zwischenzeit Bianchi
von der Begabung des Neffens durch Giuseppe De
Nittis, der 1878 das Atelier von Pagliano besichtigt
und dem dort die Arbeiten des jungen Mariani auffallen.
Der Onkel setzt sich für ihn bei der Familie
ein, die einer künstlerischen Karriere gegenüber
nicht günstig gestimmt ist. Der Onkel fordert
ihn auf, sich im Park von Monza und der Umgebung
frei zu inspirieren und verfolgt aus der Nähe
seine Entwicklung.
1880-1884
1880 schlägt der Freund dell’Orto,
mit dem er eine Wanderung auf den Gotthard 1878
unternommen und die er in zwei Bänden illustriert
hat, Mariani eine Reise nach Ägypten vor,
um die malerischen Erfahrungen gemeinsam mit Sallustio
Fornaia zu erweitern. Die drei begeben sich am
Ende des Herbstes nach Brindisi und reisen von
hier nach Alexandria in Ägypten ab. Im April
des Folgejahres, während er im Freien malte,
wird Pompeo von einer Sandböe am rechten
Auge verletzt, so dass er nach Italien zurückkehren
muss. Die Reiseerlebnisse sind in einigen lebhaften
Briefen an die Familie festgehalten, die von M.
Viscardini im “Il Cittadino” 1954
veröffentlicht werden.
Die in dieser Zeit entstandenen Kunstwerke, die
auf den Ausstellungen der Schönen Künste
in Mailand 1881 und 1882 und im folgenden Jahr
in Rom und Nizza (hier wird er mit einer Goldmedaille
ausgezeichnet) zu sehen waren, werden sofort verkauft
und bezeichnen den Beginn einer glücklichen
Periode des Malers. In den folgenden Jahren nimmt
er an zahlreichen nationalen und internationalen
Ausstellungen im In- und Ausland teil. Anfang
der Achtziger Jahre begibt sich der Maler an die
ligurische Küste, die er schon seit 1875
frequentiert, und ist Gast bei der Schwester,
die mit Ignazio Pitschider verheiratet ist und
in Genua in Via Fieschi wohnt (später zieht
sie dann in den Palazzo Doria und wird Nachbarin
von Giuseppe Verdi). Hier realisiert Mariani zahlreiche
Blicke vom Anlegehafen. Eines davon il Saluto
del sole morente (Abschied von der sterbenden
Sonne), gewinnt 1884 den Principe-Umberto-Preis
(das Kunstwerk wird von dem Grafen Edoardo Amman
gemeinsam mit Guardie notturne (Nachtwache)
gekauft). Das Gemälde Vaporino rimorchiatore
(Abschleppdampfer) wird vom Erziehungsministerium
erworben und in der Folge an das Transport- und
Schifffahrtsministerium weitergegeben. Im gleichen
Jahr erhält er die Silbermedaille auf der
internationalen Ausstellung in London.
In diesem Jahr bekommt er sein erstes Atelier
in der Villa Sala auf der Straße nach Lecco
und besucht den Park, wo sich der Onkel Mosè
und der Cousin Emilio Borsa, Sohn von Regina,
Schwester der Mutter Pompeos, zum Malen aufhalten.
Hier malt er Cantuccio di primavera (Frühjahrswinkel),
das in Brera ausgestellt und im gleichen Jahr
gemeinsam mit Saluto (Abschied) vom Commendator
De Angeli erworben wird.
1885 – 1895
1885 stellt er in Paris (wo er bei Goupil Boussod
und Valadon wohnt) einige Werke aus, die Ägypten
und das Meer zum Thema haben und gewinnt eine
Goldmedaille. Er nimmt an der Internationalen
Ausstellung in London mit La notte nel porto
di Genova (Nacht im Hafen von Genua)
teil und erhält eine Silbermedaille. Im gleichen
Jahr bekommt er die Ehrenmitgliedschaft an der
Akademie von Brera ( wo er 1897 Rat wird; 1905
tritt er zurück) mit dem Gemälde
L’onda (Die Welle).
König Umberto erwirbt 1886 eine andere Hafenansicht
mit dem Titel La sera (Der Abend),
die 1885 im Brera ausgestellt wird. 1886 erhält
er in Liverpool die Silbermedaille für das
Bild Acqua salsa (Salzwasser),
jedoch ist er wegen des Todes seines Vaters niedergeschlagen.
Er zieht mit der Mutter in das Haus des Prinzen
Porcia (heute Via Volta 4, wo er bis 1899 lebt),
arbeitet unermüdlich und stellt seine Bilder
bei verschiedenen Gelegenheiten aus, wo sie sofort
verkauft werden.
Außer den Bildern, die das Landleben von
Monza, die ligurischen Häfen und das ligurische
Meer zum Thema haben, verwirklicht er auch einige
Porträts, wie das der Frau aus dem Jahre
1883, das dem Städtischen Museum von Monza
gehört, das von Garibaldi, das sich in “L’Illustrazione
Italiana” aus dem Jahre 1885 befindet, das
des Hauptmanns der Alpenjäger Uboldi dè
Capei von 1887 und verschiedener Persönlichkeiten
des mittleren und gehobenen Bürgertums von
Monza und Mailand. In der Zwischenzeit erhält
er 1888 eine Goldmedaille auf der III. Internationalen
Kunstausstellung in München für das
Gemälde Tramonto nel porto di Genova
(Sonnenuntergang im Hafen von Genua). Hier wird
auch Sorge la luna (Nubi a sera) (Mondaufgang
(Wolken abends)) ausgestellt.
1889 erhält er den Auftrag, ein Porträt
von König Umberto für die Cappella Palatina
in Palermo zu malen und der Künstler begibt
sich nach Rom, um das Porträt zu zeichnen.
Er bekommt die Auszeichnung “Mention Honorable”
auf der Weltausstellung in Paris 1889.
Doch er vernachlässigt auch nicht die Landschaftsmalerei:
D’autunno al cader delle foglie
(Laub im Herbst) wird 1890 vom König erworben.
Sie wird um neue Motive erweitert, die er während
seiner Aufenthalte um 1890 am Lago Maggiore, in
Gignese kennenlernt, wo nicht nur der Onkel Mosè
Bianchi verkehrt, sondern auch Gignous, Carcano,
Dell’Orto und Gola. Ein dort entstandenes
Gemälde mit dem Titel Il torrente
(Der Wildbach), vorgestellt 1891 in Palermo, erhält
eine Silbermedaille auf der nationalen Ausstellung
in Palermo und wird vom Königshaus erworben.
Doch auch die ligurische Riviera besucht er weiterhin:
1892 ist er erneut in Genua, wo die Kolumbusfeierlichkeiten
stattfinden und bleibt hier in den Monaten August,
September und Oktober. Er verwirklicht einige
Gemälde, die dieses Ereignis zum Thema haben
und denen bei Ausstellungen großer Erfolg
beschieden ist. Er gewinnt die Silbermedaille
auf der italoamerikanischen Ausstellung 1892.
Aus dieser Zeit stammt eines der wenigen Gemälde,
die ein historisches Thema haben, die ideale Rekonstruktion
der Abfahrt Garibaldis von Quarto, das 1892 zur
Ausstellung der Schönen Künste nach
Rom geschickt und dort für das Erziehungsministerium
erworben wird, um den Palazzo del Senato zu schmücken.
1893 ist er erneut in Rom für ein weiteres
Porträt des Königs Umberto, in Auftrag
gegeben von der italienischen Botschaft in Berlin.
Er nimmt in diesem Jahr an der Weltausstellung
in Chicago teil, einer wichtigen internationalen
öffentlichen Veranstaltung, dank der er auch
in Übersee bekannt wird (1890 hatte er schon
einige Werke nach New York geschickt).
Mit neuen Themen tritt er auf der II. Esposizione
Triennale in Mailand 1894 auf. Er zeigt eine Reihe
von Jagdbildern, die er in Zelata bei Pavia gemalt
hat: Buon colpo di spingarda (Guter Schuß
mit der Entenflinte) nimmt am Principe-Umberto-Preis
teil, Una lanca del Ticino (Seitenarm
des Tessins) wird von König Umberto erworben,
Nei boschi della Zelata (In den Wäldern
von Zelata) wird dem Grafen Ernesto Turati verkauft,
Un doppietto alle anitre (Ein Entendoppelschuss)
an Emma Vonwiller.
In dieser Region werden auch Gemälde fertiggestellt,
die die Arbeit der Unkrautjäterinnen auf
den Reisfeldern der Umgebung darstellen. Er schickt
die Werke auf verschiedene nationale und internationale
Ausstellungen, wo er viel verkauft und viel Lob
und Anerkennung erhält.
1897 – 1906
Zwischen 1897 und 1898 realisiert Mariani eine
wichtige Serie von acht Gemälden, die den
Salon des Palastes des Doktor Grossi in Genua
schmücken und sich heute in der Galleria
d’Arte Moderna in Genua befinden.
1898 ist er in Bordighera, wohin der Maler seit
1889 regelmäßig kommt und wohin er
in den letzten Lebensjahren ziehen wird, abgebildet
in verschiedenen Werken. Hier erhält er einige
Aufträge von Ausländern, die sich an
der Riviera aufhalten. Er führt das Porträt
des Admirals Conybeare und das von Lady Buddicomb
mit Tochter aus, das in der Royal Academy 1899
ausgestellt wird, und zahlreiche andere. 1899
erleidet der Onkel Mosè einen Hirnschlag
in Verona, wo er seit einem Jahr die Accademia
Cignaroli leitete. Pompeo vertritt in für
einige Zeit. 1900 kehrt er nach Mailand zurück
und arbeitet bis 1903 in einem Atelier in Corso
Magenta 88, im Haus von Baron Laugier. In dieser
Zeit wendet sich das Interesse des Künstlers
verschiedenen Sportveranstaltungen in Mailand
und den mondänen Treffpunkten der Stadt zu.
Er verwirklicht einige Gemälde, die San Siro,
Cafés und Theater als Motiv haben. Er widmet
sich in diesen Jahren intensiv der Monotypie und
dem Aquarell, eine Leidenschaft, die er seit 1879
pflegt. Im März 1904 stirbt der Onkel Mosè,
zu dem er eine tiefe Bindung hatte. Pompeo organisiert
eine Gedenkausstellung innerhalb der Esposizione
Nazionale in Mailand anlässlich der Einweihung
des Sempione 1906, wo auch seine Werke mit neuen
Motiven ausgestellt werden und erhält eine
Verdiensturkunde.
1907 – 1913
Im Juni 1907 heiratet er die Opernsängerin
Marcellina Caronni, genannt Nana, die ihm in Bordighera
durch den Freund und Kollegen Giuseppe Ferdinando
Piana vorgestellt wurde. In der Zwischenzeit (circa
1904) ist er mit seinem Atelier und seinem Wohnsitz
in Mailand in eine großzügige Wohnung
in Via Montenapoleone 42 gezogen, die Pfarrwohnung
der angrenzenden Kirche San Francesco di Paola
und richtet sie mit antiken und modernen Einrichtungsgegenständen
und Bildern aus seiner Sammlung ein. Hier lebt
er bis 1918. 1909 erwirbt er in Bordighera von
der Gräfin Contessa Fanshawe eine kleine
Villa auf den Hügel in Via della Madonnetta,
wo er einen Großteil des Jahres verbringt.
Hier entsteht wenig später (1911) nach den
Entwürfen des Architekten R. Winter das neue
Atelier des Malers, die sogenannte Specola, die
mit seinen Werken und zahlreichen anderen, die
er im Laufe der Jahre gesammelt hat, eingerichtet
wird. Von hier fährt er oft nach Montecarlo,
angezogen von dem mondänen und eleganten
Leben, das man in den Salons des Casinos und den
Cafés antrifft. Von dort und aus der Natur
der Riviera zieht er neue künstlerische Inspirationen.
Er beschreibt in vielen Gemälden das frivole
Ambiente des Casinos, bildet auf unterschiedliche
Weise das Meer bei Bordighera, das Leben der Fischer
und den Olivenanbau ab. 1910 nimmt er an der Internationalen
Ausstellung in Buenos Aires und 1911 an der in
New York teil. 1913 wird eine umfangreiche Serie
dieser neuen Themen an die Vereinigung Amatori
e Cultori delle Belle Arti di Roma für eine
Einzelausstellung geschickt, die sehr viel Erfolg
hat. Das Erziehungsministerium erwirbt hier ein
Gemälde aus der Montecarlo-Serie, La
sala dei passi perduti (Der Saal der verlorenen
Schritte), das sich heute in der Galleria
Nazionale d’Arte Moderna in Rom befindet.
1914 – 1920
1914 leidet er unter dem Tod der Mutter. Er verbringt
die Kriegsjahre in Mailand und Bordighera. Hier
wird sein Werk sehr geschätzt und seine Gemälde
werden von wichtigen ausländischen Persönlichkeiten
erworben, die sich an der Riviera aufhalten. 1918
zieht er mit seinem Mailänder Atelier und
seiner Wohnung in den Palazzo Trivulzio an der
Piazza Sant’Alessandro 4, jedoch verbringt
er die meiste Zeit des Jahres in Bordighera. In
diesen Jahren bemüht er sich nicht um Ausstellungen,
aber er malt unermüdlich. Es gibt viele Notizen
zu dem, was ihn beschäftigt, die viele Seiten
in Alben füllen, wie er es schon früher
machte. Er drückt sich weiter in den unterschiedlichsten
Techniken mit großer Leidenschaft aus. Er
erhält Besuch von Kollegen und Freunden.
Auch die Königin Margheta besucht ihn in
seinem Haus und er fertigt von ihr 1919 ein flüchtiges
Porträt an, das sich heute im Istituto Internazionale
di Studi Liguri in Bordighera befindet. Er malt
keine religiösen Werke, außer einen
auferstandenen Christus für die Araldi-Kapelle
in Uscio als Ex-Voto für die Heilung seiner
Frau, die dort behandelt wurde.
1923 – 1925
1923 zeigt er sich wieder der Öffentlichkeit
mit einer Einzelausstellung in der Galleria Pesaro
in Mailand, in der viele (dreihundertachtundvierzig)
seiner Gemälde aus verschiedenen Epochen
gezeigt werden: Ricordi del Cairo (Erinnerungen
an Kairo) (aus dem Jahre 1881), Studi e impressioni
di Genova (Skizzen und Impressionen aus Genua)
(von 1886 bis 1917), Ricordi di Monza
(Erinnerungen an Monza) (von 1884 bis 1918), Impressioni
di caccia alla Zelata (Jagdimpressionen aus
Zelata) (von 1890 bis 1904), Ricordi di Milano
(Erinnerungen an Mailand) (von1898 bis1917), Vita
di Bordighera (Leben in Bordighera) (von
1898 bis 1922), Studi e impressioni di Montecarlo
(Skizzen und Impressionen aus Montecarlo) (von
1901 bis 1919) und Ritratti e studi diversi
(verschiedene Skizzen und Porträts).
1925 verlegt er endgültig seinen Wohnsitz
nach Bordighera.
1927
Am Morgen des 25. Januars 1927 stirbt er in Folge
einer akuten Lungenentzündung im Beisein
der Ehefrau und deren Tochter, Maria Caronni Lo
mazzi. Der Sarg wird auf dem Friedhof in Monza
mit einer feierlichen Trauerfeier beigesetzt.
1956 gibt es eine posthume Ausstellung im Palazzo
del Parco in Bordighera und zwei Jahre später
(1958) organisiert die Stadt Monza eine Gedenkausstellung,
um den 100. Geburtstag des Malers zu begehen.
1978 folgt eine Ausstellung, um dem 50. Todestag
zu gedenken.
Pompeo
Mariani hat zu Lebzeiten auf 480 wichtigen Ausstellungen
mitgewirkt (Biennale in Venedig, Promotrici, Genua,
Florenz, Turin, Mailand Brera und Permanente,
München, London, Paris , Budapest, Berlin,
Lugano, Luzern, Zürich, Sankt Petersburg,
Brüssel, Gent, Saint Louis, Montecarlo),
er erhielt 11 Goldmedaillen mit den dazugehörigen
Ehrungen und 9 Silbermedaillen.
Biographie
von Anna Ranzi unter Mitarbeit von Carlo Bagnasco.
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