1857
Am 9. September wird Pompeo in Monza in einem Haus in Borgo Como bei der Kirche San Biagio als Sohn von Martini Mariani und Giulia Bianchi geboren. Der Vater Martino (1826-1886) leitete gemeinsam mit Gaetano Pellegrino die Handelsschule Mariani-Pellegrino in Monza. In diesem Institut erhielten bedeutende Generationen von lombardischen Industriellen ihre erste grundlegende Ausbildung.
Die Mutter Giulia (1838-1914) war die älteste Tochter des Malers Giosuè (1803-1875) und Schwester des berühmtesten Malers der Familie Bianchi, Mosè (1840-1904). Im Haus Mariani verkehrte häufig Alessandro Manzoni, der Martino Mariani eines der ersten Exemplare der Verlobten schenkte.


 
       
 
1858-1877
Pompeo verbringt seine Kindheit in seiner Geburtsstadt mit seiner älteren Schwester Anna (1856-1937). Nach dem Besuch des Gymnasiums wird er vom Vater in eine Banklaufbahn gedrängt und beginnt bei der Banca Cavagliani e e Oneto in Mailand zu arbeiten. Hier lernt er Aldo Noseda kennen, der ihn in die kulturellen und künstlerischen Kreise seiner Zeit einführt, wo er Arrigo Boito , Gaetano Braga und Luigi Gualdo, Besucher des Cova und der Scala sowie die Maler Luigi Conconi und Vespasiano Bignami kennenlernt.
In dieser Zeit interessiert er sich für Musik und zeichnet in seiner Freizeit Karrikaturen, bei denen er einen scharfsinnigen Verstand an den Tag legt. Eine Skizze, die den Bankdirektor darstellt, führt dazu, dass er seine Stelle verliert und aus diesem Grund nach Monza zurückkehren muss (1878).


1878
1878 ist er erneut in Mailand. Dank seines Freundes Uberto Dell’ Orto lernt er den Maler Eleuterio Pagliano kennen und, von der Malerei angezogen, wird von ihm unterrichtet. Er bittet ihn jedoch, dies nicht seine Familie wissen zu lassen, bis er weiß, ob er genügend Talent besitze. Pagliano fordert ihn auf, im Freien zu malen und lässt ihn dann das im Atelier nachbauen, was er zuvor gesehen hatte.
Anscheinend erfährt in der Zwischenzeit Bianchi von der Begabung des Neffens durch Giuseppe De Nittis, der 1878 das Atelier von Pagliano besichtigt und dem dort die Arbeiten des jungen Mariani auffallen. Der Onkel setzt sich für ihn bei der Familie ein, die einer künstlerischen Karriere gegenüber nicht günstig gestimmt ist. Der Onkel fordert ihn auf, sich im Park von Monza und der Umgebung frei zu inspirieren und verfolgt aus der Nähe seine Entwicklung.


1880-1884
1880 schlägt der Freund dell’Orto, mit dem er eine Wanderung auf den Gotthard 1878 unternommen und die er in zwei Bänden illustriert hat, Mariani eine Reise nach Ägypten vor, um die malerischen Erfahrungen gemeinsam mit Sallustio Fornaia zu erweitern. Die drei begeben sich am Ende des Herbstes nach Brindisi und reisen von hier nach Alexandria in Ägypten ab. Im April des Folgejahres, während er im Freien malte, wird Pompeo von einer Sandböe am rechten Auge verletzt, so dass er nach Italien zurückkehren muss. Die Reiseerlebnisse sind in einigen lebhaften Briefen an die Familie festgehalten, die von M. Viscardini im “Il Cittadino” 1954 veröffentlicht werden.
Die in dieser Zeit entstandenen Kunstwerke, die auf den Ausstellungen der Schönen Künste in Mailand 1881 und 1882 und im folgenden Jahr in Rom und Nizza (hier wird er mit einer Goldmedaille ausgezeichnet) zu sehen waren, werden sofort verkauft und bezeichnen den Beginn einer glücklichen Periode des Malers. In den folgenden Jahren nimmt er an zahlreichen nationalen und internationalen Ausstellungen im In- und Ausland teil. Anfang der Achtziger Jahre begibt sich der Maler an die ligurische Küste, die er schon seit 1875 frequentiert, und ist Gast bei der Schwester, die mit Ignazio Pitschider verheiratet ist und in Genua in Via Fieschi wohnt (später zieht sie dann in den Palazzo Doria und wird Nachbarin von Giuseppe Verdi). Hier realisiert Mariani zahlreiche Blicke vom Anlegehafen. Eines davon il Saluto del sole morente (Abschied von der sterbenden Sonne), gewinnt 1884 den Principe-Umberto-Preis (das Kunstwerk wird von dem Grafen Edoardo Amman gemeinsam mit Guardie notturne (Nachtwache) gekauft). Das Gemälde Vaporino rimorchiatore (Abschleppdampfer) wird vom Erziehungsministerium erworben und in der Folge an das Transport- und Schifffahrtsministerium weitergegeben. Im gleichen Jahr erhält er die Silbermedaille auf der internationalen Ausstellung in London.
In diesem Jahr bekommt er sein erstes Atelier in der Villa Sala auf der Straße nach Lecco und besucht den Park, wo sich der Onkel Mosè und der Cousin Emilio Borsa, Sohn von Regina, Schwester der Mutter Pompeos, zum Malen aufhalten. Hier malt er Cantuccio di primavera (Frühjahrswinkel), das in Brera ausgestellt und im gleichen Jahr gemeinsam mit Saluto (Abschied) vom Commendator De Angeli erworben wird.


1885 – 1895
1885 stellt er in Paris (wo er bei Goupil Boussod und Valadon wohnt) einige Werke aus, die Ägypten und das Meer zum Thema haben und gewinnt eine Goldmedaille. Er nimmt an der Internationalen Ausstellung in London mit La notte nel porto di Genova (Nacht im Hafen von Genua) teil und erhält eine Silbermedaille. Im gleichen Jahr bekommt er die Ehrenmitgliedschaft an der Akademie von Brera ( wo er 1897 Rat wird; 1905 tritt er zurück) mit dem Gemälde L’onda (Die Welle).
König Umberto erwirbt 1886 eine andere Hafenansicht mit dem Titel La sera (Der Abend), die 1885 im Brera ausgestellt wird. 1886 erhält er in Liverpool die Silbermedaille für das Bild Acqua salsa (Salzwasser), jedoch ist er wegen des Todes seines Vaters niedergeschlagen. Er zieht mit der Mutter in das Haus des Prinzen Porcia (heute Via Volta 4, wo er bis 1899 lebt), arbeitet unermüdlich und stellt seine Bilder bei verschiedenen Gelegenheiten aus, wo sie sofort verkauft werden.
Außer den Bildern, die das Landleben von Monza, die ligurischen Häfen und das ligurische Meer zum Thema haben, verwirklicht er auch einige Porträts, wie das der Frau aus dem Jahre 1883, das dem Städtischen Museum von Monza gehört, das von Garibaldi, das sich in “L’Illustrazione Italiana” aus dem Jahre 1885 befindet, das des Hauptmanns der Alpenjäger Uboldi dè Capei von 1887 und verschiedener Persönlichkeiten des mittleren und gehobenen Bürgertums von Monza und Mailand. In der Zwischenzeit erhält er 1888 eine Goldmedaille auf der III. Internationalen Kunstausstellung in München für das Gemälde Tramonto nel porto di Genova (Sonnenuntergang im Hafen von Genua). Hier wird auch Sorge la luna (Nubi a sera) (Mondaufgang (Wolken abends)) ausgestellt.
1889 erhält er den Auftrag, ein Porträt von König Umberto für die Cappella Palatina in Palermo zu malen und der Künstler begibt sich nach Rom, um das Porträt zu zeichnen. Er bekommt die Auszeichnung “Mention Honorable” auf der Weltausstellung in Paris 1889.
Doch er vernachlässigt auch nicht die Landschaftsmalerei: D’autunno al cader delle foglie (Laub im Herbst) wird 1890 vom König erworben. Sie wird um neue Motive erweitert, die er während seiner Aufenthalte um 1890 am Lago Maggiore, in Gignese kennenlernt, wo nicht nur der Onkel Mosè Bianchi verkehrt, sondern auch Gignous, Carcano, Dell’Orto und Gola. Ein dort entstandenes Gemälde mit dem Titel Il torrente (Der Wildbach), vorgestellt 1891 in Palermo, erhält eine Silbermedaille auf der nationalen Ausstellung in Palermo und wird vom Königshaus erworben.
Doch auch die ligurische Riviera besucht er weiterhin: 1892 ist er erneut in Genua, wo die Kolumbusfeierlichkeiten stattfinden und bleibt hier in den Monaten August, September und Oktober. Er verwirklicht einige Gemälde, die dieses Ereignis zum Thema haben und denen bei Ausstellungen großer Erfolg beschieden ist. Er gewinnt die Silbermedaille auf der italoamerikanischen Ausstellung 1892. Aus dieser Zeit stammt eines der wenigen Gemälde, die ein historisches Thema haben, die ideale Rekonstruktion der Abfahrt Garibaldis von Quarto, das 1892 zur Ausstellung der Schönen Künste nach Rom geschickt und dort für das Erziehungsministerium erworben wird, um den Palazzo del Senato zu schmücken.
1893 ist er erneut in Rom für ein weiteres Porträt des Königs Umberto, in Auftrag gegeben von der italienischen Botschaft in Berlin. Er nimmt in diesem Jahr an der Weltausstellung in Chicago teil, einer wichtigen internationalen öffentlichen Veranstaltung, dank der er auch in Übersee bekannt wird (1890 hatte er schon einige Werke nach New York geschickt).
Mit neuen Themen tritt er auf der II. Esposizione Triennale in Mailand 1894 auf. Er zeigt eine Reihe von Jagdbildern, die er in Zelata bei Pavia gemalt hat: Buon colpo di spingarda (Guter Schuß mit der Entenflinte) nimmt am Principe-Umberto-Preis teil, Una lanca del Ticino (Seitenarm des Tessins) wird von König Umberto erworben, Nei boschi della Zelata (In den Wäldern von Zelata) wird dem Grafen Ernesto Turati verkauft, Un doppietto alle anitre (Ein Entendoppelschuss) an Emma Vonwiller.
In dieser Region werden auch Gemälde fertiggestellt, die die Arbeit der Unkrautjäterinnen auf den Reisfeldern der Umgebung darstellen. Er schickt die Werke auf verschiedene nationale und internationale Ausstellungen, wo er viel verkauft und viel Lob und Anerkennung erhält.


1897 – 1906
Zwischen 1897 und 1898 realisiert Mariani eine wichtige Serie von acht Gemälden, die den Salon des Palastes des Doktor Grossi in Genua schmücken und sich heute in der Galleria d’Arte Moderna in Genua befinden.
1898 ist er in Bordighera, wohin der Maler seit 1889 regelmäßig kommt und wohin er in den letzten Lebensjahren ziehen wird, abgebildet in verschiedenen Werken. Hier erhält er einige Aufträge von Ausländern, die sich an der Riviera aufhalten. Er führt das Porträt des Admirals Conybeare und das von Lady Buddicomb mit Tochter aus, das in der Royal Academy 1899 ausgestellt wird, und zahlreiche andere. 1899 erleidet der Onkel Mosè einen Hirnschlag in Verona, wo er seit einem Jahr die Accademia Cignaroli leitete. Pompeo vertritt in für einige Zeit. 1900 kehrt er nach Mailand zurück und arbeitet bis 1903 in einem Atelier in Corso Magenta 88, im Haus von Baron Laugier. In dieser Zeit wendet sich das Interesse des Künstlers verschiedenen Sportveranstaltungen in Mailand und den mondänen Treffpunkten der Stadt zu. Er verwirklicht einige Gemälde, die San Siro, Cafés und Theater als Motiv haben. Er widmet sich in diesen Jahren intensiv der Monotypie und dem Aquarell, eine Leidenschaft, die er seit 1879 pflegt. Im März 1904 stirbt der Onkel Mosè, zu dem er eine tiefe Bindung hatte. Pompeo organisiert eine Gedenkausstellung innerhalb der Esposizione Nazionale in Mailand anlässlich der Einweihung des Sempione 1906, wo auch seine Werke mit neuen Motiven ausgestellt werden und erhält eine Verdiensturkunde.


1907 – 1913
Im Juni 1907 heiratet er die Opernsängerin Marcellina Caronni, genannt Nana, die ihm in Bordighera durch den Freund und Kollegen Giuseppe Ferdinando Piana vorgestellt wurde. In der Zwischenzeit (circa 1904) ist er mit seinem Atelier und seinem Wohnsitz in Mailand in eine großzügige Wohnung in Via Montenapoleone 42 gezogen, die Pfarrwohnung der angrenzenden Kirche San Francesco di Paola und richtet sie mit antiken und modernen Einrichtungsgegenständen und Bildern aus seiner Sammlung ein. Hier lebt er bis 1918. 1909 erwirbt er in Bordighera von der Gräfin Contessa Fanshawe eine kleine Villa auf den Hügel in Via della Madonnetta, wo er einen Großteil des Jahres verbringt. Hier entsteht wenig später (1911) nach den Entwürfen des Architekten R. Winter das neue Atelier des Malers, die sogenannte Specola, die mit seinen Werken und zahlreichen anderen, die er im Laufe der Jahre gesammelt hat, eingerichtet wird. Von hier fährt er oft nach Montecarlo, angezogen von dem mondänen und eleganten Leben, das man in den Salons des Casinos und den Cafés antrifft. Von dort und aus der Natur der Riviera zieht er neue künstlerische Inspirationen. Er beschreibt in vielen Gemälden das frivole Ambiente des Casinos, bildet auf unterschiedliche Weise das Meer bei Bordighera, das Leben der Fischer und den Olivenanbau ab. 1910 nimmt er an der Internationalen Ausstellung in Buenos Aires und 1911 an der in New York teil. 1913 wird eine umfangreiche Serie dieser neuen Themen an die Vereinigung Amatori e Cultori delle Belle Arti di Roma für eine Einzelausstellung geschickt, die sehr viel Erfolg hat. Das Erziehungsministerium erwirbt hier ein Gemälde aus der Montecarlo-Serie, La sala dei passi perduti (Der Saal der verlorenen Schritte), das sich heute in der Galleria Nazionale d’Arte Moderna in Rom befindet.

1914 – 1920
1914 leidet er unter dem Tod der Mutter. Er verbringt die Kriegsjahre in Mailand und Bordighera. Hier wird sein Werk sehr geschätzt und seine Gemälde werden von wichtigen ausländischen Persönlichkeiten erworben, die sich an der Riviera aufhalten. 1918 zieht er mit seinem Mailänder Atelier und seiner Wohnung in den Palazzo Trivulzio an der Piazza Sant’Alessandro 4, jedoch verbringt er die meiste Zeit des Jahres in Bordighera. In diesen Jahren bemüht er sich nicht um Ausstellungen, aber er malt unermüdlich. Es gibt viele Notizen zu dem, was ihn beschäftigt, die viele Seiten in Alben füllen, wie er es schon früher machte. Er drückt sich weiter in den unterschiedlichsten Techniken mit großer Leidenschaft aus. Er erhält Besuch von Kollegen und Freunden. Auch die Königin Margheta besucht ihn in seinem Haus und er fertigt von ihr 1919 ein flüchtiges Porträt an, das sich heute im Istituto Internazionale di Studi Liguri in Bordighera befindet. Er malt keine religiösen Werke, außer einen auferstandenen Christus für die Araldi-Kapelle in Uscio als Ex-Voto für die Heilung seiner Frau, die dort behandelt wurde.

1923 – 1925
1923 zeigt er sich wieder der Öffentlichkeit mit einer Einzelausstellung in der Galleria Pesaro in Mailand, in der viele (dreihundertachtundvierzig) seiner Gemälde aus verschiedenen Epochen gezeigt werden: Ricordi del Cairo (Erinnerungen an Kairo) (aus dem Jahre 1881), Studi e impressioni di Genova (Skizzen und Impressionen aus Genua) (von 1886 bis 1917), Ricordi di Monza (Erinnerungen an Monza) (von 1884 bis 1918), Impressioni di caccia alla Zelata (Jagdimpressionen aus Zelata) (von 1890 bis 1904), Ricordi di Milano (Erinnerungen an Mailand) (von1898 bis1917), Vita di Bordighera (Leben in Bordighera) (von 1898 bis 1922), Studi e impressioni di Montecarlo (Skizzen und Impressionen aus Montecarlo) (von 1901 bis 1919) und Ritratti e studi diversi (verschiedene Skizzen und Porträts).
1925 verlegt er endgültig seinen Wohnsitz nach Bordighera.

1927
Am Morgen des 25. Januars 1927 stirbt er in Folge einer akuten Lungenentzündung im Beisein der Ehefrau und deren Tochter, Maria Caronni Lo mazzi. Der Sarg wird auf dem Friedhof in Monza mit einer feierlichen Trauerfeier beigesetzt.

1956 gibt es eine posthume Ausstellung im Palazzo del Parco in Bordighera und zwei Jahre später (1958) organisiert die Stadt Monza eine Gedenkausstellung, um den 100. Geburtstag des Malers zu begehen. 1978 folgt eine Ausstellung, um dem 50. Todestag zu gedenken.

Pompeo Mariani hat zu Lebzeiten auf 480 wichtigen Ausstellungen mitgewirkt (Biennale in Venedig, Promotrici, Genua, Florenz, Turin, Mailand Brera und Permanente, München, London, Paris , Budapest, Berlin, Lugano, Luzern, Zürich, Sankt Petersburg, Brüssel, Gent, Saint Louis, Montecarlo), er erhielt 11 Goldmedaillen mit den dazugehörigen Ehrungen und 9 Silbermedaillen.

Biographie von Anna Ranzi unter Mitarbeit von Carlo Bagnasco.